Die Springerprüfung – worauf wird geachtet?

Auch Medikamente aufziehen und vorbereiten gehört zur Aufgabe eines Springers. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Hallo Ihr Lieben, heute möchte ich Euch einen Einblick in den Ablauf der Springerprüfung geben. Selbstverständlich erhaltet Ihr hierbei auch Ratschläge und Tipps worauf Ihr bei Eurer Prüfung unbedingt achten solltet. Ihr solltet aber immer noch mal Rücksprache mit Eurem Praxisanleiter halten, denn nicht überall wird auf die gleichen Dinge das Augenmerk gelegt.

Meine Springerprüfung – so war der Ablauf

Vor circa fünf Jahren hatte ich meinen vierwöchigen Einsatz in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. Dies war also der Beginn meines zweiten Lehrjahres als Operationstechnsiche Assistentin. Also war es auch klar, dass ich hier meine erste praktische Zwischenprüfung absolvieren würde. Diese wurde relativ weit am Ende meines Einsatzes gelegt, damit ich genügend Zeit hatte, mich vorzubereiten. In meiner Klinik haben wir viele Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Bei uns hat das natürlich der Chef operiert. An meinem Prüfungstag sollte ebenfalls ein solches Krankheitsbild behandelt werden – zum Glück hatte ich in den Tagen vor der Prüfung diesen Eingriff bereits ein bis zwei Mal gesehen. Am Tag vorher sind meine Praxisanleiterin und ich noch mal grob die OP und den Ablauf durchgegangen und ich hab mich nach Feierabend zuhause hingesetzt und mir den genauen OP-Ablauf noch mal versucht einzuprägen. Damit ich als Springer weiß was ich wann machen muss und welche Materialien ich gegebenfalls bereithalten sollte.

Der Tag der Springerprüfung

Am besagten Tag bin ich morgens überpünktlich auf der Arbeit gewesen, damit ich auch bloß nicht zu spät bin. Dann habe ich nochmal versucht, mich etwas zu entspannen, was getrunken und dann sollte es auch schon ganz bald losgehen. Also bin ich mit meinem Prüfungsteam in den Saal gegangen, habe diesen auf die Sauberkeit kontrolliert und den sogennanten Saalcheck gemacht. Hierbei guckt man, ob die Geräte wie z.B. die OP Leuchten, aber auch die Lüftung, der Sauger etc. funktionieren. An meiner Klinik war es leider so, dass die Instrumente und Materialien bereits am Vortag vom Spätdienst vorbereitet werden. Daher bin ich hier einfach hingegangen und habe diese Materialien einfach nochmal überprüft: Sind es die richtigen Instrumente, Nähte, Handschuhe etc. Sind die ganzen Materialien auch noch steril? Sind bereits jetzt schon irgendwelche Fehler wie Löcher in der Verpackung zu erkennen?
Sterile Instrumentensiebe in Weichverpackungen. Mit genügend Abstand werden diese vom Springer geöffnet und im Anschluss vom Instrumenteur entgegen genommen. Die Verpackung muss auf Perforationsstellen kontrolliert werden. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Sterile Instrumentensiebe in Weichverpackungen. Mit genügend Abstand werden diese vom Springer geöffnet und im Anschluss vom Instrumenteur entgegengenommen. Die Verpackung ist auf mögliche Perforationsstellen zu kontrollieren. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Dann habe ich natürlich auch schonmal den Computer für die Dokumentation vorbereitet. Mein Prüfungspatient war leider ein kleines Kind. Deshalb konnte ich hier beim Einschleusen nicht die notwendigen Fragen stellen und beim Umlagern helfen. Denn bei Kleinkindern ist es üblich, dass diese vom Anästhesiepersonal in den Saal getragen werden. Dort befindet sich bereits der OP-Tisch, der vom Lagerungspfleger vorbereitet wurde. Diesen habe ich auch nochmal hinsichtich der polsternden Rollen und Wärmematten, die für das Kind benötigt werden, überprüft. Also wie Ihr hier bereits gemerkt habt: An meiner Springerprüfung ist einiges nicht ganz so gelaufen, wie es geplant war. Die eigentliche OP selbst lief ohne Probleme ab. Ich habe meinem Instrumenteur die Materialien steril geöffnet und auch diesbezüglich kontrolliert. Während der OP habe ich den Ablauf ganz genau beobachtet, sodass ich immer schon einen Schritt voraus sein konnte. Multitasking ist hier jedoch gefragt! Denn Ihr müsst gleichzeitig auch die Hygiene ganz genau beachten: Steht eine Tür länger auf als sie müsste? Sitzt bei jemanden der Mund-Nasen-Schutz oder die OP-Haube nicht richtig? Die Dokumentation dürft Ihr auch nicht außer Acht lassen. Ein gutes Selbstmanagement ist hier also gefragt! Als die OP fertig war, wurde natürlich auch ganz genau darauf geachtet, inwieweit ich beim Entsorgen der Materialien geholfen habe und ob ich dabei hygienisch gearbeitet habe. Es wurde auch geschaut, ob ich meinen kleinen Patienten gut umsorgt habe, beispielsweise habe ich in der Aufwachphase vorsichtig die Ärmchen und Beinchen mit festgehalten, damit das Kind nicht vom Tisch fällt. Da noch Zeit war, musste ich den nächsten Eingriff auch noch mit betreuen. Und wie es sich gehört an einem Prüfungstag: Es kam ein ungeplanter Notfall dazwischen. Ein neurochirurgischer Notfall. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Notfallsituation miterlebt und auch noch nicht meinen Einsatz in der Neurochirurgie gehabt. Also war ich etwas überfordert und hilflos. Aber ich war da nicht ganz alleine, denn die Kollegen von der MKG und Neuro mussten zusammenarbeiten und mussten selbst erstmal ganz genau überlegen, was sie wie als erstes machen und wie der Patient am besten gelagert werden sollte. An dieser Stelle habe ich einen großen Fehler in meiner Springerprüfung gemacht, weshalb ich leider “nur” eine 2 bekommen habe. Aufgrund meiner Überforderung habe ich nur herumgestanden und nicht wirklich geholfen. Bei der Lagerung des Patienten hätte ich beispielsweise tatkräftig mit anpacken können oder einfach aktiv nachfragen ob etwas spezielles benötigt wird und wie ich am besten helfen kann. Natürlich habe ich die Materialien ordnungsgemäß geöffnet und auch alles andere. Aber die Situtation davor habe ich einfach nicht souverän gemeistert. Daher: Wenn Ihr so etwas auch erleben solltet, dann versucht irgendwie zu helfen und nicht mit großen Fragezeichen herumzustehen. Das ist sehr schwierig, besonders wenn man zusätzlich noch in einer Prüfungssituation steckt. Deshalb scheut Euch nicht und fragt aktiv nach. So zeigt Ihr nämlich, dass Ihr wenigstens versucht, irgendwie zu helfen!

Meine Ratschläge für Eure Springerprüfung:

Falls Eure Praxisanleiter dies noch nicht gemacht haben, dann geht einen Tag vor Eurem großen Tag zu den Kollegen, also den Ärzten und Pflegekräften, die bei der Prüfung mit dabei sein werden und erinnert diese nochmal an Eure Prüfung. Seid am Tag Eurer Springerprüfung lieber 5 bis 10 Minuten früher als sonst in der Klinik. So könnt Ihr Euch einfach schon mal einen kleinen Überblick verschaffen und gegebefalls noch etwas trinken oder essen bevor es los geht. Beginnt mit dem Saalcheck. Achtet hierbei unbedingt auf die Sauberkeit: liegen vielleicht doch noch irgendwo Fadenreste oder sind Blutflecken vom Vortag sichtbar? Trotz Grundreinigung kann das Reinigungspersonal auch mal etwas übersehen – das sollte Euch jedoch nicht passieren (natürlich müsst Ihr nicht mit der Lupe herumlaufen). Testet im Anschluss die ganzen Geräte. Geht hierbei jedoch unbedingt systematisch vor – sodass man Euch einfach anmerkt, dass Ihr eine gewisse Routine habt.
Ein Schüsselständer bei dem in einer OP zu vor die sterilen Tücher etwas zu weit nach innen eingeschlagen wurden, sodass sie geschmolzen sind. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Ein Schüsselständer bei dem in einer OP zuvor die sterilen Tücher etwas zu weit nach innen eingeschlagen wurden. Daher sind sie geschmolzen, wie man auf diesem Bild sieht. Einen solchen Ständer solltet Ihr in der Prüfung nicht verwenden. Es riecht nämlich nicht sonderlich angenehm, wenn die Platte sich erhitzt. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Bereitet, falls es nicht der Spät- oder Nachtdienst bereits gemacht hat, die benötigten Instrumente und Materialien vor. Manchmal stellen die Prüfer hierbei Fragen. Beispielsweise, warum Ihr genau diese Abdeckung nehmt oder diese Naht (und auch andere Materialien/Instrumente). Das solltet Ihr in der Springerprüfung auch erklären können! Geht auch hier nach einem System vor. Ich hole in der Regel erst die Abdeckung und dann suche ich mir die Instumente zusammen. Bei uns kann man sich auf dem Sterilflur von “hinten nach vorne” durcharbeiten. Fahrt die benötigten Materialien in den Saal, fahrt die jeweiligen Tische schon an die richtige Stelle und legt die Instrumentencontainer und die Sets richtig hin. So müsst Ihr diese nur noch steril öffnen, wenn es an der Zeit ist. Sucht systematisch die Einmalmaterialien zusammen. Ich fange auch hier meist an einer Seite an – in der Regel die Nähte – und arbeite mich dann von rechts nach links durch unsere Schränke durch. Ist es eine Operation, bei der viele “Gegebenfalls” auf dem Plan stehen, dann könnt Ihr diese Materialien auch bereits rauslegen, sodass Ihr diese nachher nicht mehr suchen müsst und direkt griffbereit habt. Anschließend legt Ihr in der Patientenschleuse den Patienten für die OP aus Eurer Springerprüfung mit auf den jeweiligen OP Tisch. Es sei denn es handelt sich, wie bei mir damals, um ein Kleinkind. Denn dieses wird, wie oben beschrieben, in der Regel vom Anästhesiepersonal in den Saal getragen. Beim Einschleusen achten die Prüfer auf Euer Zugehen auf den Patienten. Denkt immer daran, dass Ihr Euch dem Patienten gegnüber vorstellt und ihm alles erklärt. Denn meistens sind die Patienten keine Stammgäste. Sie haben Angst und sind in einer ungewohnten, ggf. angsteinflößenden Umgebung. Ebenfalls solltet Ihr den richtigen OP-Tisch mit den notwendigen Lagerungsmitteln verwenden. Ihr solltet beim Einschleusen auch unbedingt die Checkliste abarbeiten und den Patienten nach seiner Identität, der geplanten OP (ggf. OP-Seite) und ob er etwas gegessen oder getrunken hat fragen. Ebenfalls ist es wichtig, dass bereits in der Patietenschleuse festgestellt wird, ob die Einverständniserklärungen für die Narkose und die Operation vorliegen. Ohne diese Erklärungen ist die Durchführung einer Operation unzulässig. Während die Narkosevorbereitung läuft, seid Ihr im Saal und bereitet gemeinsam mit Eurem instrumentierenden Kollegen das Sterilgut vor. Hierbei liegt das Augenmerk der Prüfer auf Eurer Sorgfalt beim Öffnen der jeweiligen Materialien und Instrumente. Beim Anreichen solltet Ihr unbedingt die Verpackungen auf Perforationen – also Löcher – überprüfen. Dass die Materialien und Instrumente noch innerhalb des Sterilitätszeitraumes sind, setze ich jetzt einfach mal voraus 😉 Achtet darauf, dass Ihr dem Instrumentierenden alle Flüssigkeiten, also sowohl das Desinfektionsmittel, als auch die Ringer- oder Kochsalzlösung vor dem Einschütten zeigt. Erst nach dem OK von Euch und Eurem Kollegen darf die Anästhesie in den Saal fahren!
OP-Tisch für die Bauchlage. Die Tücher müssen unbedingt faltenfrei sein, damit der Patienten keine Druckstellen bekommt. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
OP-Tisch für die Bauchlage. Die Tücher müssen unbedingt faltenfrei sein, damit der Patienten keine Druckstellen bekommt. franzis-Blogstory.schreibnacht.de
Ihr solltet unbedingt beim Lagern helfen und dabei ebenfalls stets hygienisch arbeiten. Das heißt Hände desinfizieren und Handschuhe tragen. Meist ist der Ablauf folgendermaßen: Den Patieten auf die OP-Säule und den OP-Tisch hochfahren. Im Anschluss die Lafette vom Tisch an die dafür vorgesehene Stelle parken (Einleitung oder Ausleitung). Liegen auf der Lafette Lagerungsmittel, dann nehmt diese im Anschluss wieder mit in den Saal und lagert mit diesen den Patienten ordnungsgemäß. Je nach Operation muss man die Position des Patienten im OP-Saal auf dem Tisch verändern . Dabei kann es dazu kommen, dass beispielsweise durch das hoch/runter ziehen die Tücher verrutschen und Falten bilden. Achtet hierbei unbedingt darauf, dass diese weiterhin faltenfrei sind, denn sonst gibt es unschöne Druckstellen! Die Dokumentation dürft Ihr bei all diesen Tätigkeiten nicht vergessen. Des weiteren achten die Prüfer auf Eure Aufmerksamkeit, also ob Ihr mit offenen Augen dabei seid. Habt Ihr weitere benötigte Materialien bereits in der Hand und wartet nur noch auf das OK Eures Instrumentierenden? Ihr solltet Andere auf den Sicherheitsabstand zum sterilen Bereich aufmerksam machen. Müsst Ihr weitere Materialien anreichen, habt aber gerade erst Eure Hände desinfiziert, dann solltet Ihr unbedingt darauf achten, dass das Desinfektionsmittel eingezogen ist. Denn mit nassen, desinifierten Händen könnt Ihr Papierverpackungen unbewusst unsteril machen!

Das Ende der Operation

Wenn sich die OP dem Ende zuneigt, dann solltet Ihr beispielsweise bei einer unfallchirurgischen Operation beim Verband assistieren. Das heißt z.B. Pflasterstreifen für den Wickelverband vorbereiten, die jeweilige Extremität halten oder auch beim Anlegen eines Gipses helfen. Nach der OP müsst Ihr selbstverständlich gemeinsam mit dem sterilen Kollegen alles entsorgen und den Patienten entlagern. Hierbei müsst Ihr unbedingt darauf achten, dass Ihr die Privatsphäre des Patienten wahrt – also nicht so offen liegen lassen wie Gott ihn schuf. Versetzt Euch einfach in den Patienten. Man selbst möchte ja auch nicht komplett entblößt auf dem Tisch liegen. Wichtig ist auch, dass Ihr das Nahtende, sowie die chirurgischen Maßnahmen und alles, was an Eurer Klinik sonst noch üblich ist, dokumentiert. Manche Kliniken geben beispielsweise auch noch zusätzlich die Zeit für den Gips ein. Achtet ebenfalls darauf, dass Ihr beim Entsorgen Handschuhe verwendet, also hygienisch arbeitet. Im Klartext heißt das leider meist sehr häufiges Handschuhwechseln. Falls Ihr dies jedoch nicht macht, dann teilt das an dieser Stelle unbedingt mit und weist darauf hin, dass beim Verräumen der Siebe/Container in der Entsorgung ebenfalls Handschuhe getragen werden. Und immer an die Händedesinfektion denken! Meist dauert es länger, bis der Patient aus der Narkose erwacht und Ihr habt den Saal in der Zwischenzeit aufgeräumt. Wenn dies der Fall ist, dann könnt Ihr nämlich noch ggf. für die nächste Operation die Materialien vorbereiten und anschließend den Patienten gemeinsam mit der Anästhesie wieder in sein Bett zurück verlegen. Die Springerprüfung sollte insgesamt circa 4 Stunden umfassen. Daher kann es sein, dass Ihr auch die nächste Operation noch mitbereuen müsst. Das ist alles, was ich Euch aus meinen Erfahrungen zur Springerprüfung berichten kann. Liegt an Eurer Klinik das Augenmerk noch auf weiteren Details, dann ergänzt dies doch einfach durch einen Kommentar. Ich wünsche Euch einen schönen Abend und einen guten Start in die neue Woche! Eure franzi 🙂

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