Praxisphase in der OTA Ausbildung – Orthopädie/ Unfallchirurgie

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Nachdem ich unter meinem letzten OTA-Post nach Berichten aus der Praxisphase während meiner Ausbildung gefragt wurde, möchte ich dem nun nachkommen. Die letzten Posts waren ja alle von der Theorie geprägt, daher kommt nun etwas aus der Praxis.

Mein erster Einsatz während der Ausbildung war in der Orthopädie. Diese ist aber in vielen Kliniken auch mit der Unfallchirurgie kombiniert. Für mich war diese Abteilung zugegebenermaßen ein kleiner Schock. Da dies meiner Meinung nach für die erste Praxisphase ein zu großes Fachgebiet ist und man sich ja auch erst mal an die ganzen Gegebenheiten gewöhnen muss.

In der Orthopädie / Unfallchirurgie muss man die meiste Zeit schwere Bleischürzen als Schutz vor den Röntgenstrahlen tragen. In diesen Fachgebieten findet Ihr seitens der Chirurgie mit die meiste Röntgenbelastung vor. Des weiteren wird hier viel “gebrutzelt” – also sehr viel mit der Hochfrequenzchirurgie gearbeitet. Deshalb ist es vom Geruch her auch noch mal äußerst gewöhnungsbedürftig. Auch ist der Geräuschpegel hier relativ hoch. Die Handwerker unter Euch werden es ja selbst von zuhause kennen. Bohren, hämmern, sägen – all das ist eben etwas lauter als man es sonst aus dem Alltag kennt.

Im nachhinein liebe ich jetzt die Orthopädie/ Unfallchirurgie. Gerade der handwerkliche Aspekt und die Tatsache, dass es nicht nur diesen einen Lösungsweg zur Behandlung einer Fraktur gibt, macht dieses Gebiet sehr spannend. Je nachdem wie komplex der jeweilige Bruch ist, muss der Operateur auch mal innehalten und kurz überlegen wie er diesen am besten versorgen kann.

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Anatomie Becken
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Hierbei werden auch wir gerne mal mit einbezogen, da wir schließlich nicht immer nur mit ein und demselben Operateur und in nur einem Fachbereich zusammenarbeiten, sondern mit mehreren. Dadurch kann man auch mal wertvolle Ideen mit einbringen und eine optimale Versorgung gewährleisten.

Nach jeder Praxisphase wurden wir in der Ausbildung von unserer Klassenlehrerin gefragt, wie es war und ob es irgendwelche Besonderheiten gab. Ich weiß heute noch was meine Antwort war: “Dieser Fachbereich ist nichts für mich. Es ist viel zu laut!”

Heute kann ich über diese Aussage nur schmunzeln. Aber wenn man frisch von der Schule kommt und die “Baustellen-Geräusche” in diesem Maße einfach nicht kennt, dann steht für einen die Welt einfach erst mal Kopf. Wer hätte damals gedacht, dass ich genau in diesem Bereich meine Abschlussprüfung absolvieren werde?

Die häufigsten / wichtigsten Eingriffe in der Orthopädie / Unfallchirurgie

Einer der Eingriffe, die Ihr mit am häufigsten während der Praxisphase vorfinden werdet, ist die Osteosynthese. Diese lässt sich in verschiedene Varianten unterteilen – genauer gehe ich aber in einem anderen Post drauf ein, da dieser sonst zu lang und detailliert werden würde:

ORIF – Offene Reposition, innere Fixation. Dies kann beispielsweise eine Verplattung sein, oder aber auch nur Schrauben ohne Platte. Die Fraktur wird bei diesem Verfahren also freigelegt und offen – also mit größerer Wundfläche – wieder in die physiologische Stellung gebracht und fixiert.

CRIF – geschlossene Reposition, innere Fixation ist das Pendant hierzu. Das jeweilige Gebiet wo die Fraktur ist wird hierbei nicht eröffnet. Mit kleinen “Metallstäben”, sogenannten K-Drähten, kann der Bruch von innen geschient werden und so zusammen heilen.

Marknagel – dies ist ein dickerer “Metallstab”, der den Bruch von Innen schient. So beispielsweise wenn man sich den “oberen Teil” des Oberschenkels (Femur) gebrochen hat. Also eine pertrochantäre Femurfraktur.

Dynamische Hüftschraube – diese wird ebenfalls bei der eben erwähnten Fraktur angewandt. Es ist eine Kombination aus Schraube und Platte, wobei die Schraube die Möglichkeit hat zu “gleiten”. Somit kann eine dynamsiche Kompression herbeigeführt werden.

Fixateur Extern – hierbei werden mindestens 2 sogenannte Pins, also wieder dickere Metallstäbe von außen in den gebrochenen Knochen geschraubt. Diese werden dann untereinander mit anderen Stäben, zum Beispiel aus Carbon, miteinander verbunden. So entsteht von außen ein kleines “Gerüst”.

Dann gibt es da natürlich auch noch die innere Fixation an der Wirbelsäule. Hierbei werden ebenfalls Schrauben in die jeweiligen Wirbelkörper gebracht und dann nochmal mit Stäben stabilisiert.

Grundtisch für den Einbau einer Knieprothese
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Grundtisch für den Einbau einer Knieprothese

Endoprothetik

Diesen Bereich werdet Ihr im Rahmen der Praxisphase in der Orthopädie ganz genau kennenlernen. Im Prinzip können überall die Gelenke künstlich ersetzt werden, wenn diese beispielsweise im Alter verschleißen.

So gibt es mit am häufigsten die Hüftendoprothese, die Knieprothese, Schulterprothese, aber auch an den Fingern, Sprunggelenk oder dem Ellenbogen kann man eine Prothese implantieren.

Arthroskopie

Arthroskopie kommt aus dem griechischen von arthros = Gelenk und skopein = beobachten/ spähen, also optisch sichten. Wortwörtlich kann man dies mit “Gelenkspiegelung” übersetzen. Mit diesem Eingriff ist gemeint, dass man ein Gelenk mit einer kleinen Optik (Endoskop) unter Auffüllung einer Flüssigkeit – meistens Ringer oder Kochsalz, begutachtet. Je nach Indikation werden dann beispielsweise Knorpelschäden behandelt.

Eine Arthroskopie könnt Ihr prinzipiell bei jedem Gelenk durchführen. Meist sind dies jedoch das Kniegelenk oder die Schulter. Bei uns an der Klinik wird so seltener das Sprunggelenk untersucht, die Hüfte und das Handgelenk höchstens einmal im Jahr.

Das soll fürs erste reichen. Ich werde demnächst nochmal genauer auf die Unfallchirurgie und Orthopädie eingehen.

Für Fragen stehe ich selbstverständlich zu jeder Zeit zur Verfügung!

Habt einen schönen Abend und vor allem ein schönes Wochenende!

Eure franzi 🙂

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